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Sonntag, 24. Juni 2012

Kinderwunsch

Zum Thema Kinderwunsch gibt es auch in der heutigen aufgeklärten Zeit immer noch viele Missverständnisse, Unklarheiten und Fragen. Ich werde daher in Zukunft einiges darüber bloggen.


Für viele Paare und gerade Frauen ist es eine aufregende Zeit, wenn man sich entschließt, die Verhütung fortan wegzulassen, damit sich bald Nachwuchs einstellt. Am Anfang wird das ganze meist noch recht locker gesehen, doch spätestens nach 3-6 Monaten gerät Frau ins grübeln, wenn sich noch keine Schwangerschaft eingestellt hat. Was bei anderen problemlos und sogar Schlag auf Schlag gehen kann, ist bei anderen scheinbar ein "Problem".
Zunächst: ruhig Blut. Bei vielen Paaren dauert es bis zu einem Jahr, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Das liegt völlig im Rahmen. Es gibt viele Gründe, warum es bisher nicht geklappt hat.
Der häufigste Grund ist: Schlicht und einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst.
In diesem Post habe ich ein paar Mythen zum Thema Zyklus und Fruchtbarkeit erklärt, der der ein oder anderen vielleicht die Augen öffnen wird.
Wer sich in Zukunft etwas mehr mit seiner Fruchtbarkeit beschäftigen möchte, dem kann ich nur NFP - Natürliche Familienplanung - ans Herz legen. Natürlich muss man dazu keine 6 Monate warten, auch wer eben erst die Pille oder andere hormonelle Verhütung abgesetzt hat, kann mit NFP eine Menge über sich und seinen Körper erfahren. Wer sich mit NFP beschäftigt hat und "Natürlich und sicher" gelesen hat, wird bestimmt noch viele Fragen haben. Ich stehe dafür jederzeit per Mail zur Verfügung oder natürlich auch persönlich in meiner Praxis. Sehr informativ ist das NFP-Forum, dem zu verdanken ist, dass NFP in den letzten Jahren mit vielen Vorurteilen und Missverständnissen aufräumen konnte und immer mehr Frauen wieder lernen, auf ihren Körper zu hören und ihm zu vertrauen.
Nicht nur bei Kinderwunsch ist NFP eine echte Bereicherung und Hilfe, wer regelmäßig seinen Zyklus beobachtet, kann vielerlei daran ablesen. Denn nicht in jedem Zyklus findet ein Eisprung statt und an Hand der Temperatur kann man hormonelle Störungen feststellen, die ansonsten nur mit aufwändigen Tests beim Arzt herausgefunden werden können.

Mittwoch, 18. August 2010

Zyklus und Fruchtbarkeit - Mythen und Fakten

Jeder kennt sie und alle meinen, Bescheid zu wissen - Mythen (anders kann man es schon fast nicht nennen) über den weiblichen Zyklus.


Das meiste, was wir in der Schule gelernt haben, wird erschreckenderweise auch heute noch so gelehrt (und dann wundert man sich über Teenies, die ungewollt schwanger werden).
Dazugelernt haben wir seitdem diesbezüglich wenig.
Durch meine Arbeit habe ich viel Kontakt zu Frauen, die teilweise haarsträubende Geschichten über ihre Frauenärzte (männliche wie auch weibliche) erzählen und sich oft wider besseren Wissens verunsichern lassen.
Im Folgenden also ein paar Mythen, die wir (fast) alle für wahr halten.


Mythos 1:
Der Zyklus einer Frau ist 28 Tage lang
Haben wir alle mal so gelernt, oder? Wer Kinder im entsprechenden Alter hat, kann ja mal im Biologiebuch nachsehen - oder am Ende dieses Beitrages ein paar Zitate aus aktuellen Lehrbüchern finden.


Fakt:
Die AG NFP (Arbeitsgruppe natürliche Familienplanung) hat sich die Mühe gemacht und 10.000 Zyklen ausgewertet. Das Ergebnis: nur ca 13% der Frauen haben einen Zyklus von 28 Tagen (natürlich immer davon ausgehend, dass nicht hormonell verhütet wird!).
Als "normal" werden von der AG NFP Längen zwischen 23 und 35 Tagen angesehen.
Jugendliche haben noch seltener als erwachsene Frauen einen 28-Tage-Zyklus.


Auf ein paar Tage hin oder her kommt es ja eigentlich nicht an, oder? Das alles wäre natürlich nicht so schlimm, wenn auf diesem Mythos nicht weitere "Fakten" aufbauen würden.
Vielen Frauen ist eine unterschiedliche Zykluslänge (und damit früher oder später einsetzende Blutung) durchaus bekannt, nicht bewusst ist ihnen allerdings, dass damit auch der Eisprung früher oder später stattfand - und somit das Risiko einer (ungewollten) Schwangerschaft steigt.


Mythos 2:
Der Eisprung findet etwa in der Mitte des Zyklus statt
Das bedeutet bei einem 28-Tage-Zyklus in etwa an Zyklustag 14. Und wie wir jetzt wissen, trifft das auf etwa 13% aller Frauen zu.


Fakt:
In der Hälfte aller Zyklen findet der Eisprung erst nach dem 14. Zyklustag statt, am häufigsten zwischen Zyklustag 12 bis 19.


Mythos 3:
Mit einsetzen der ersten Menstruation ist ein Mädchen fruchtbar


Fakt:
Der Zyklus einer Frau beginnt mit der Follikelphase - unter Einsatz der Schilddrüse und der Hypophyse werden Hormone freigesetzt, die zur Eizellreifung im Eierstock führen. Somit kann ein Mädchen schon VOR dem einsetzen der ersten Menstruation schwanger werden.


Mythos 4:
Erste und zweite Zyklushälfte sind gleich lang


Mythos 4 baut auf Mythos 1 auf - da mag es in den meisten Fällen stimmen - beide sind ca 14 Tage lang.


Fakt:
Die erste Zyklushälfte vor dem Eisprung schwankt ebenso in ihrer Länge wie die zweite Hälfte.
Mit dem Unterschied, dass die 2. Zyklushälfte maximal 18 Tage lang sein kann - die erste Hälfte dagegen beliebig lang (ich kenne eine Frau mit einem Eisprung ca. an Tag 99 - die in diesem extrem langen Zyklus schwanger wurde!)


Mythos 5:
Der zweite Eisprung


Fakt:
Einen 2. Eisprung, der Tage nach dem ersten Auftritt, gibt es nicht. Falls in einem Zyklus 2 (oder ganz selten) mehr Follikel springen, tun sie dies ALLE innerhalb von 6 Stunden.


Mythos 6:
Während der Menstruation kann man nicht schwanger werden


Fakt:
Das hängt von jeder Frau individuell ab. Selten, aber möglich, wenn die Blutung lange dauert und der Eisprung schon sehr früh stattfindet.


Mythos 7:
Spermien überleben nur 2-3 Tage


Fakt:
In der fruchtbaren Zeit können Spermien im weiblichen Körper 3-5 Tage überleben




Und hier wie versprochen die Zitate aus den Lehrbüchern:
"...Das löst den Eisprung in der Mitte eines jeden Zyklus aus..." (Liebe, Sex und Mehr. Alles, was ihr wissen sollt. Chr. Wolfrum und P. Süß. DTV, Aktualisierte Neuauflage, 2005)
Da haben wir ihn, den Eisprung in der Mitte eines jeden Zyklus.


"...Während seiner Reifungszeit von 14 Tagen sondert das Eibläschen ständig das Hormon Östrogen ab. Ist das Eibläschen herangereift, platzt es und gibt das befruchtungsfähige Ei frei. Das Ei wird vom Eileiter aufgefangen und wandert nun etwa drei bis sechs Tage lang durch den Eileiter zur Gebärmutter. Nur während dieser Zeit kann das Ei von einer Samenzelle befruchtet werden..." (First Love. Ein Aufklärungsbuch für junge Leute. Ravensburg 2004)


Jedes Ei in jeder Frau reift also 14 Tage. Gut zu wissen (vor allem für die Teenies).


"Die Menstruation tritt alle 28 Tage auf und dauert drei bis fünf Tage." (Biologie, Gymnasium, Sekundarstufe 2, Band 2. Kapitel Der Mensch. H. Blümel, Volk und Wissen, 1999)


"Die weiblichen Sexualhormone sorgen dafür, dass alle 28 Tage in einem dieser Follikel eine reife Eizelle heranwächst. In der Mitte des Menstruationszyklus, also um den 14. Tag, ist es dann soweit: Die Eizelle ..." (Das Verhütungsbuch, Petra Neumayer, Foitzick Verlag, 2003)